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Vecka krönika

Montag und Dienstag verliefen auf Arbeit wie gewohnt. Keine erwähnenswerten Zwischenfälle 😉 Außer vielleicht, dass es in der Unibibliothek nun einen Kaffeeautomaten gibt, der die bisher drei Kaffeemaschinen ersetzen soll. Allerdings konnte der Automat an seinen ersten „Arbeitstagen“ nicht so recht überzeugen, sodass die drei Kaffeemaschinen vorerst noch zur Sicherheit stehenbleiben. Auch neu ist, dass die Mitarbeiter jetzt eine Stunde in der Woche Zeit haben, um spazieren zu gehen. Der Gesundheit wegen. Ich habe mich am Anfang, als ich diesen Blog begonnen habe, ja mal gefragt, was die Schweden im Vergleich zu den Griechen eigentlich anders oder „besser“ machen, was das Arbeiten angeht. Ich weiß es ehrlich gesagt immer noch nicht…
Am Dienstag war ich nach der Arbeit noch bei einer offenen Veranstaltung der Smålands Nation, wie schon vor zwei Wochen. Aber wie ich hier ja schon mehrfach „kritisiert“ habe, ist es als Nicht-Student eben nicht möglich, dort Mitglied zu werden, d.h. an allen Veranstaltungen teilzunehmen. Das war mir, bevor ich hierher kam, ehrlich gesagt nicht so bewusst. Und das stellt schon eine ziemliche Hürde da, zumal nahezu jede Aktivität hier über die Studentennationen organisiert wird. Tja. Aber glücklicherweise gibt es hier auch Menschen, die das auch ein wenig kritisch sehen.

Am Mittwoch haben Therese und ich die Depot-Tour absolviert. Die Bibliothek besitzt noch fünf Außenmagazine, die über die gesamte Stadt verteilt sind. Jeden Tag muss einer der Mitarbeiter diese anfahren, um Bücher auszuheben und zurückzustellen. Insgesamt dauert das um die zwei Stunden. Nach der Fikastunde sind Therese und ich losgefahren. Leider haben wir für den Fahrt den neuen VW Caddy der Bibliothek benutzt und nicht den alten Volvo aus den frühen 80ern, den die Bibliothek auch noch besitzt. Hätte ich gut gefunden. Aber auch hier in Schweden bleibt die Zeit eben nicht stehen. Zur der Tour an sich gibt es gar nichts spannendes zu berichten. Außenmagazine sind halt Außenmagazine. Als wir nach zwei Stunden zur Unibibliothek zurückkamen, fing es leider sehr heftig an zu regnen, sodass wir beim ausladen der Bücherkisten aufpassen mussten, dass diese nicht vollständig nass wurden. Plastikmülltüten haben dann das Schlimmste verhindert. Aber es ist natürlich kein wirklich befriedigender Zustand, jeden Tag Bücher so hin und her karren zu müssen. Dementsprechend ist gerade auch ein neues Außenmagazin im Bau, das die bisherigen fünf ersetzen soll.

Auf Arbeit ist am Donnerstag nichts wirklich interessantes passiert. Nach der Arbeit bin ich noch mal nach Nova Lund gelaufen, wo sich allerlei Geschäfte befinden. Außerdem gibt es auf dem Weg dahin zahlreiche Brombeerbüsche, an denen ich mich gern „bediene“. Interessanterweise wachsen hier immer noch neue Brombeeren nach, auch wenn diese natürlich mittlerweile etwas sauer sind. Komisch finde ich allerdings, dass in so einem beerenverrückten Land wie Schweden nicht mehr Leute Beeren pflücken gehen. Hier kauft mal lieber tiefgekühlte Beeren im Supermarkt. Die Tiefkühlbeeren sind übrigens nicht verpackt, sondern liegen lose im Fach und man kann sich mit einer kleinen Schaufel selbst die gewünschte Menge eintüten.
Abends war ich dann noch mit Erik Pizza essen. Erik ist leider ziemlich erkältet, nachdem er die ganze Woche jeden Tag 8 Stunden an einer Kreuzung stehen musste, um „Verkehrskonflikte“ zu beobachten und zu dokumentieren (er studiert Verkehrswesen). Wahrscheinlich dient diese Aufgabe hauptsächlich dazu, „unwillige“ Studenten auszusortieren. Also ich hätte mir zumindest nen Klappstuhl besorgt, glaub ich.

Freitag war mein letzter Tag in der Universitätsbibliothek. Ab Montag werde ich wieder den vollen Tag im Head Office sein. Ich muss sagen, dass mir die zwei Wochen in der Unibibliothek ziemlich gut gefallen haben, zumal ich endlich mal wieder mit „echten“ Büchern zu tun hatte. Dieses optische und haptische Erlebnis kann die Arbeit am PC im Head Office nicht bieten. Und irgendwie ist die Arbeit in dieser verwinkelten und alten Bibliothek auch einfach spannender als den ganzen Tag auf einen Computerbildschirm zu starren.
Zum Abschluss gab es noch mal ein großes Frühstück. Mittlerweile habe ich mich den hiesigen Essgewohnheiten auch fast vollständig angepasst, sodass sich auf meinem Frühstückbrötchen jetzt auch Butter, Käse und Marmelade befinden. Also gleichzeitig. Da kann man sich schon dran gewöhnen.

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Stockholm

Vergangenes Wochenende habe ich mal einen etwas größeren Ausflug unternommen. Es stand ein Besuch der schwedischen Hauptstadt Stockholm auf dem Programm. So bin ich am Freitagnachmittag nach der Arbeit im Head Office vom Bahnhof Lund gen Nordosten gestartet. Der Zug war ziemlich voll (Freitag), dank Reservierungspflicht hatte aber jeder einen Platz, so auch ich. Neben mir saß zunächst eine junge Schwedin, die sich die ganze Zeit mit ihrem iPhone beschäftigte. In Linköping hat sich dann ein Deutscher neben mich gesetzt, mit dem ich dann auch recht rasch ins Gespräch kam. Er war wohl auf einer Konferenz und nun auf dem Weg zum Flughafen, um nach Berlin zu fliegen. Leider meinte er die ganze Zeit „nebenbei“ im Internet surfen zu müssen, während wir uns unterhielten. So checkte er unter anderem, ob Blitzer auf der Autobahn zwischen Berlin und Dresden zu erwarten waren und teilte der Welt via Facebook mit, dass auch Züge in Schweden Verspätung haben können. Nun sind 212 Menschen um diese sensationelle Erkenntnis schlauer.

Nach knapp vier Stunden Fahrt (Stockholm ist ca. 550 km von Lund entfernt) kam ich dann gegen 20.30 Uhr in Stockholm an. Für das Wochenende hatte ich mir ein Hotelzimmer gegönnt, da ich auf Jugendherberge am Wochenende keine Lust hatte. Das Hotel war nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt und für Stockholmer Verhältnisse (und Dank früher Buchung) sogar recht günstig. Nach dem Einchecken habe ich dann noch ein wenig die Stadt erkundet. Dazu bin ich einfach ein paar Leuten hinterhergegangen, die so aussahen, als würden sie sich auskennen und unterwegs zu irgend einem (für mich) interessanten Ort sein, was auch sehr gut geklappt hat. So habe ich an diesem Abend noch das „Trendviertel“ Södermalm erkunden können.

Am Samstag bin ich – trotz recht wenig Schlaf – ziemlich früh aufgestanden, um mir die Stadt anzusehen. Zuerst habe ich die „üblichen“ Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung angesehen, also die Gamla stan (Altstadt), den schwedischen Reichstag, den Kungsträdgården, das Stockholmer Schloss und was sonst noch so auf dem Weg lag. Auch ein Besuch im Nationalmuseum durfte natürlich nicht fehlen.

Zur Fikastunde bin ich dann am Nachtmittag wieder ins Hotel zurückgekehrt, da dort die Kaffee- und Keksversorgung für Lau sichergestellt war. Dort traf ich ein nettes junges Pärchen aus Hamburg, die auch am Freitag eingecheckt hatten und noch bis Mittwoch in Stockholm bleiben wollten. Da wir uns gleich auf anhieb ziemlich gut verstanden, verabredeten wir uns für später zum gemeinsamen Abendessen und zur weiteren Erkundung von Södermalm. Eigentlich hatte ich für den Abend ein Theater- oder Konzertbesuch geplant, aber da ich noch nichts konkretes im Blick hatte, kam mir das sehr gelegen. 19 Uhr trafen wir uns dann an der Tunnelbanan-Station Slussenund waren uns dann auch relativ schnell einig, landestypisch vietnamesisch Essen zu gehen. Gut gesättigt begaben wir uns danach in ein Pub gleich um die Ecke, was neben den recht günstigen Preisen vor allem den Vorteil besaß, dass auf der Straße davor gerade ein Jamsession stattfand. Das gefielt offensichtlich auch anderen deutschen Touristen, sodass wir im Pub auf eine größere Gruppe aus Mannheim trafen, die alle ziemlich gut drauf waren. Mein erstes Bier nach 6 Wochen Abstinenz konnte ich dann auch in ausgelassener Runde gut genießen.

Am nächsten Morgen zwang ich mich dann wieder recht früh aus dem Bett, um noch einmal einen kleinen Bummel durch die Stadt zu machen. Sicherheitshalber schaute ich dabei auch noch mal ab Bahnhof vorbei, um zu sehen, ob mein Zug auch tatsächlich zur geplanten Zeit fuhr, was natürlich nicht der Fall war. Trotz meiner dürftigen Schwedischkenntnisse konnte ich mit dem Wort ersättningsbuss soviel anfangen, um mir zusammenzureimen, dass der Zug heute wohl durch eine Bus ersetzt werden würde – und das mit einer um eine Stunde früheren Abfahrtszeit. So musste ich den Stadtbummel etwas verkürzen, um den Bus auch rechtzeitig zu erreichen, was dann auch gut geklappt hat. So war ich gegen 19.30 Uhr dann auch wieder zurück in Lund.

Min femte vecka

Hier nun, wie gewohnt, ein kurzer Rückblick auf die fünfte Woche hier in Lund.

Am Montag habe ich meinen Dienst in der Universitäsbibliothek begonnen. Zu meiner Überraschung bin ich dort allerdings nur vormittags eingesetzt. Nachmittags arbeite ich weiterhin in der Biblioteksdirektionen (Head Office). Da in der Unibibliothek gerade größere Umbauarbeiten an der Ausleih- und Informationstheke stattfinden, ist der Betrieb dort etwas eingeschränkt, weshalb ich dort nur den halben Tag eingesetzt bin. In der Uni-Bibliothek besteht meine Aufgabe hauptsächlich darin, Bücher auszuheben und bereitzustellen. Es existiert nur ein sehr kleiner Freihandbestand, weshalb nahezu jedes Buch aus dem Magazin bestellt werden muss. Das Magazin ist sozusagen über die gesamte Bibliothek verteilt, also vom 2. Untergeschoss (ein Bombenschutzkeller) bis hinauf ins 4. Obergeschoss. Das Gebäude wurde schon einige Male umgebaut und ähnelt daher ziemlich einem Labyrinth. Mit Lovisa, dem Verbuchungssystem, bin ich gleich von Anfang an ziemlich gut klar gekommen, da es (im Gegensatz zu Aleph) logisch aufgebaut und relativ einfach strukuriert ist. Auch mit den Signaturen und Standorten habe ich wenige Probleme, obwohl es natürlich auch hier x-verschiedene Signaturen gibt. In der Biblioteksdirektionen habe ich mich dann am Nachmittag wieder den E-Books gewidmet. Zudem prüfe ich weiterhin in der redalyc-Datenbank welche elektronischen Zeitschriften im DOAJ vorhanden sind und welche nicht. Bei nicht vorhanden E-Journals nehme ich dann eine Neueintragung vor. Leider ist diese Datenbank aus irgendwelchen Gründen oft nicht abrufbar bzw. hat sehr lange Ladezeiten, was die Sache etwas nervig macht.

Dienstag Morgen hat mir Therese, meine Betreuerin an der Unibibliothek, den Altbestand gezeigt. Die meisten Bücher hier sind dem Fach Theologie zuzuordenen, da dieses Fach in der Gründungsphase der Universität eine sehr bedeutende Rolle eingenommen hat. Auch heute noch wird die theologische Sammlung gepflegt. Im Bestand befinden sich unter anderem eine Vielzahl alter Bibeln. Auch viele deutschsprachige Werke (z.B. von Luther) sind vorhanden. Überhaupt finden sich in der Bibliothek viele Bücher aus Deutschland, auch neuere. Fast jeder spricht hier auch ein paar Worte Deutsch, da Deutsch für viele hier Schulfach war. Nach dem Rundgang habe ich dann noch Bücher ausgehoben und nach dem Lunch meinen Dienst im Head Office angetreten.

Meine Aufgaben am Mittwoch waren die üblichen, also Bücher ausheben und bereitstellen in der Bibliothek sowie E-Books katalogisieren und E-Journal prüfen im Head Office. Die Leute in der Uni-Bibliothek sind übrigens auch alle sehr freundlich. Und Fika gibt es auch hier, allerdings schon halb zehn. Bei schönem Wetter kann dafür sogar die hauseigene Dachterrasse genutzt werden, was natürlich sehr toll ist.

Etwas erstaunt war ich am Donnerstag Morgen als ich in die Bibliothek kam, da ich dort niemanden vorfand. Alles wie ausgestorben. Da aber Licht brannte dachte ich mir schon, dass wohl wieder ein wichtiges Meeting im Gange ist, was dann auch so war. Zur Fika waren jedenfalls alle wieder da und berichteten mir von dem Meeting, welches wohl recht langweilig und vor allem ergebnislos war. Danach zeigte mir Per die handschriftliche Sammlung der Bibliothek, die wirklich umfangreich und interessant ist. Pers Arbeit ähnelt sehr stark der eines Archivars. Er ist auch kein gelernter Bibliothekar, sondern Geschichtswissenschaftler. Da ich unbedingt mal etwas praktisches machen wollte, haben wir dann im alten Zettelkatalog nach Briefkorrespondenzen bekannter Deutscher geforscht und sind bei Alexander von Humboldt sogar fündig geworden. Allerdings konnten wir beide Alexander von Humboldts Schrift nicht wirklich entziffern. Bei dem gefunden Schriftstück handelte es sich aber wahrscheinlich um soetwas wie eine Zeugenaussage. Nachmittags ging es dann wieder ins Head Office, wo heute Asas Geburtstag nachgefeiert wurde. Dazu wurde der Aufenthaltsraum mit Kerzen dekoriert und es gab Sekt sowie eine wirklich sehr leckere Heidelbeertorte.

Am Freitag hat mich Therese in der Unibibliothek durch die Abteilung geführt, die für das Sammeln von Grauer Literatur zuständig ist. Ähnlich wie in Deutschland gibt es hier in Schweden ein Pflichtabgabegesetz, das die Nationalbibliothek in Stockholm sowie die Universitätsbibliothek in Lund dazu verpflichtet, alle in Schweden veröffentlichten Publikationen zu sammeln. Darunter eben auch Graue Literatur wie Prospekte, Flyer, Postkarten, Kataloge usw. In Lund sammelt man „nur“ die gedruckten Publikationen, während man in der Nationalbibliothek in Stockholm auch elektronische Dokumente und Dateien sammelt. Als ich mit Therese das erste Mal die Räumlichkeiten der Abteilung betrat, war ich ehrlich gesagt ziemlich sprachlos. Überall stehen dort Regal und Tische in, auf, unter und neben denen sich Unmengen aller möglichen Druckerzeugnisse befinden. Das ganze hat mich mich doch sehr an das Haufenprinzip der Ludolf-Brüder erinnert. Es ist wirklich unglaublich welche Massen dort lagern. Therese erklärte mir dann auch gleich, dass man dieser schier unendlichen Flut an Publikationen nicht mehr so recht Herr wird. Man ist von Gesetzes wegen dazu verfplichtet, all diese Dinge zu sammeln, ist aber nicht in der Lage, dies alles vernünftig zu sortieren geschweige denn zu katalogisieren. So wird alles nur angeschaut und grob sortiert und verschwindet dann irgendwann in einem der Außenmagazine. Die Aufgabe der Mitarbeiter dieser Abteilung (drei an der Zahl) besteht nun hauptsächlich darin, sich irgendwie zu merken, wo sie was hingepackt haben. Ein Beispiel von dem, was dort gesammelt wird, fand ich besonders toll. Theresa zeigte mir eine Art Hochglanzprospekt, der fast nur aus Bildern bestand, auf denen eine Party in irgendeinem Club zu sehen war. Einzig auf der ersten Seite stand etwas. Therese erklärte mir dann, dass vor einem Jahr ein Millionärssohn seinen 25. Geburtstag in einem Club in Stockholm gefeiert hat und dazu mehrere hundert Gäste eingeladen waren. Und jeder Gast hat dann später dieses „Fotobuch“ als Erinnerungsgeschenk erhalten. Und auch dabei handelt es sich eben um Graue Literatur, die von der Unibibliothek gesammelt werden muss… Tja, was soll man dazu noch sagen. 😉

Halvtid

Halbzeit! Nun ist schon die hälfte meiner Praktikumszeit hier abgelaufen – und das ging echt schnell! Damit enden nun auch meine vier Wochen im Head Office. Vier weitere Wochen in der Universitätsbibliothek (also im Hauptgebäude) werden nun folgen. Ich bin gespannt!

Seit knapp über eine Woche wohnen hier bei Janusz noch zwei Leute mehr. Zwei von Janusz Landsleuten, die hier für ein paar Wochen arbeiten, haben ein kleines Zimmer im Erdgeschoss (naja, eher so ein Art Kabuff… ich dachte bisher, dass sei ne Abstellkammer…) bezogen. Viel mit kriegt man von den beiden allerdings nicht, da sie den ganzen Tag arbeiten. Meistens 10 Stunden oder mehr – auch sonntags. Sie arbeiten auf eine der zahlreichen Baustellen hier im Industriegebiet von Lund. Man kennt derlei „Beschäftigungsverhältnisse“ ja aus Deutschland… Überhaupt muss ich nach einem Monat feststellen, dass Schweden keineswegs das soziale Paradies ist, für das man es (aus deutscher Sicht) manchmal hält. Es gibt hier auch nicht wenige arme Leute, Flaschensammler, Alkoholiker und so weiter. Und die Jobs, die sonst keiner machen will, werden auch hier meistens von Migranten erledigt, während sich unter den Besserverdienern meistens keine Migranten finden. Da Janusz früher Sozialarbeiter war und sozusagen auch die Schattenseiten der schwedischen Gesellschaft kennt, habe ich da mittlerweile auch einen ganz guten Einblick.

Ansonsten habe ich mich doch recht gut eingelebt hier, auch wenn ich ab und zu mal nach Kopenhagen „fliehen“ muss, um meine „Dosis“ Großstadt zu bekommen. Aber die Leute hier sind schon alle sehr freundlich uns hilfsbereit und die Arbeit macht auch Spaß.

An dieser Stelle noch ein Rückblick auf die vergangene Woche:

Am Samstag war ich (wieder mal) in Dänemark. Diesmal in Odense und danach noch einmal in Kopenhagen. In Odense hab ich mir das Eiszeitdorf Jernalderlandsbyen sowie das Freilichmuseum Den Fynske Landsby angesehen. Erfreulicherweise war auch das Wetter sehr gut. Am Spätnachmittag bin ich dann wieder zurückgefahren, habe aber noch einen Zwischenstopp in Kopenhagen eingelegt, sodass ich dann erst gegen 2 Uhr wieder in Lund war.

Den Sonntag habe ich hier in Lund verbracht und ehrlich gesagt nicht sehr viel getan, da ich, wie ich am Freitag kurzfristig erfahren hatte, den Montag frei haben sollte (aufgrund einer Weiterbildung würde am Montag niemand im Head Office sein). So bin ich am Sonntag ein bißchen durch Lund gebummelt und mit dem Fahrrad mal die Dörfer ringsum abgefahren.

Den zusätzlichen freien Tag am Montag habe ich für einen Ausflug nach Ystad an der Südküste genutzt. Die Stadt gilt als Wallfahrtsort für Kommissar Wallander Fans. Entsprechend viele Touristen (auch viele aus Deutschland) waren daher in der Stadt unterwegs. Ystad ist ein kleines und wirklich schönes Städtchen. Richtig gemütlich. Auch wenn es hier natürlich auch eine „Shopping-Meile“ gibt. Shopping ist überhaupt ein riesiges Thema hier in Schweden. Dienstleistungsgesellschaft eben… Nach einem Besuch im Café Snuggles bin ich dann noch eine Weile an der Küste entlang gelaufen und am Spätnachmittag dann wieder zurück nach Lund gefahren.
Abends war ich mit Erik und einem Kommilitonen von ihm Pizzaessen im „Linero – Pizza, Restaurant & Pub“. Erik ließ sich die Pizza „Banana“ schmecken und Jan verputzte eine Pizza „Tequila“, wobei beide Pizzen dann am Ende weitaus weniger spektakulär waren, als die Namen zunächst vermuten ließen. Ich musste ohnehin den Spielverderber spielen, da mit nur die Pizza „Vegetarian“ blieb.

Den Dienstag verbrachte ich in der Matematiska biblioteket, einer ziemlich kleinen Bibliothek gleich um die Ecke vom Head Office. An diesem Tag waren nur zwei Mitarbeiter da. Annika führte mich zunächst durch die Bibliothek, was aber nur drei Minuten dauerte, da es wirklich eine sehr kleine Bibliothek ist. Danach habe ich mit ihr Bücher katalogisiert, wobei auch hier wieder sehr auf Fremddatenübernahme gesetzt wurde. Zum Mittagessen haben wir uns am Sandwich-Stand, der von den Mathe-Studenten selbst betrieben wird, mit Sandwiches eingedeckt, wobei ich mir ein Hummus-Sandwich gegönnt habe, das wirklich ausgesprochen lecker war. Danach ging es dann mit Katalogisieren weiter, wobei Annika nebenbei mit dem Arzt telefonierte, um einen Termin für ihren Sohn zu machen. Nach 45 Minuten Warteschleife war sie dann auch endlich an der Reihe. Sie meinte, dass solche Wartezeiten hier leider ziemlich normal seien. Nachmittags haben wir dann noch gemütlich bei Kaffee und Blaubeer-Muffins zusammengesessen und uns unterhalten.

Der Mittwoch verlief wieder auf gewohnte Weise: Das heißt E-Books katalogieren im Head Office. Leider wurde am Mittwoch meine Erkältung, die sich schon am Dienstag anbahnte, schlimmer, sodass ich am Donnerstag und Freitag zuhause bleiben und das Bett hüten musste.

Vecka krönika

So, an dieser Stelle ist es mal wieder Zeit für einen kleinen Wochenrückblick, würde ich sagen 🙂

Der Montag startete wie gewohnt mit dem Katalogisieren von E-Books. Mittlerweile geht mir das auch recht flott von der Hand (Fremddatenübernahme sei Dank…). Die AACR2-Regeln ähneln RAK ja auch ziemlich stark.

Nachmittags waren bei Janusz seine drei Enkel zu Besuch und ich habe ein wenig auf sie aufgepasst (= Matchbox gespielt), während er Apfelmus eingekocht hat.

Am Dienstag habe ich zunächst E-Books katalogisiert. Nach dem Mittagessen hat mir Jan dann noch etwas über Authority records erzählt, die er hier an der LUB pflegt. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Normendatei, in der Personennamen und Körperschaften verzeichnet sind. Die LUB führt zusätzlich zur Schwedischen Nationalbibliothek ihre eigene Datei. Durch mein umfangreiches Fachwissen (haha…) konnte ich dann durch Zufall auch gleich einen kleinen Fehler in der Datei korrigieren. Als alter Name der HU stand dort nämlich „Friedrich-Wilhelm-Universität“, wobei es natürlich richtig „Friedrich-Wilhelms-Universität“ heißen muss. Da hat sich mein Praktikum für die LUB ja schon bezahlt gemacht, würde ich sagen 😉

Da nachmittags schlechtes Wetter war, bin ich dann das erste Mal hier in die Schwimmhalle gegangen. Spannendes gibt es von dort allerdings nicht zu berichten.

Am Mittwoch bestand meine Hauptaufgabe darin, E-Books zu katalogieren. Ich habe übrigens eine Liste mit über 300 Titeln, die ich hier langsam aber sicher abarbeite. Alles E-Books übers Essen, z.B. „Colour in food“, „Baking problems solved“ oder „Chilled foods : a comprehensive guide“.

Nach der Arbeit habe ich dann Erik beim Theaterspielen zugeschaut, wobei ich da aber auch nur „geduldet“ war (weil wieder dieser Studentennationen-Quatsch). War aber dennoch ganz unterhaltsam.

Der Donnerstag begann diese Woche ungewohnt früh. Schon um 7 Uhr morgens starteten ein paar Kollegen und ich gemeinsam mit Bibliotheksstudenten der Uni mit dem Bus in Richtung Göteburg, wo ein Besuch der Buchmesse Bok & Bibliotek auf dem Programm stand. Der Start verzögerte sich allerdings, da der Bus gleich zu Beginn einen kleinen Crash hatte. Der Busfahrer war aus irgend einem Grund auf einen wirklich unzugänglichen Parkplatz gefahren, von dem er nicht wieder runter kam. Er kam dann auf die Idee, eine kleine Ausfahrt zu benutzen, die mir doch etwas schmal und steil schien. Nichtsdestotrotz steuerte er den Bus dort entlang, woraufhin es dann auch gleich ziemlich krachte un quietschte, da der Bus aufgrund des steilen Winkels mit der Nase aufgesetzt hatte. Daraufhin versuchte der Busfahrer den Bus sozusagen freizuschaukeln. Der Bus rührte sich aber nicht mehr vom Fleck. Jetzt blieb nur noch die Möglichkeit, die Bodenfreiheit zu erhöhen. Also sind wir alle ausgestiegen und mit Ach und Krach (und leichtem Funkenflug) gelang es dem Busfahrer dann schließlich sein Gefährt wieder in Bewegung zu setzen und wir konnten unsere Reise beginnen.

Nach viereinhalb Stunden Fahrt (inklusive Stau, Umleitung und Verfahren) kamen wir dann schließlich in Göteburg an, wo wir dann auch gleich die Messe stürmten. Allerdings waren dort auch noch gefühlte zehntausend andere Besucher, sodass dies doch sehr mit drängeln und quetschen verbunden war. Eigentlich war es mir schon an dieser Stelle zu viel, aber ich habe mich dann doch immerhin zweieinhalb Studen dort umgesehen. Es wurden natürlich eine Unmenge von Büchern angepriesen und zum Verkauf angeboten. Aber es gab auch allen möglichen anderen Schnickschnack und Firlefanz dort zu kaufen. Auch allerlei Naschwerk führte so manchen Besucher in Versuchung. Im Prinzip glich das ganze eher einem riesigen Marktplatz.

In diesem Jahr stand auf der Buchmesse Literatur aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Mittelpunkt. Allerdings hab ich davon ehrlich gesagt nicht viel mitbekommen. Eingeladen waren aber einige Autoren aus diesen drei Ländern, wobei ich außer Herta Müller, Ferdinand von Schirach, Cornelia Funke und Nina Hagen niemanden davon kannte. Das waren auch nicht unbedingt Bestseller-Autoren, eher welche, die in den Feuilletons gefeiert werden. Was mich aber wirklich sehr gewundert hat war, dass Nina Hagen hier so unglaublich bekannt und populär ist. Sie ist sogar das – etwas böse gesagt – „Maskottchen“ der diesjährigen Buchmesse und stellt hier am Samstag ihr Buch „Bekenntnisse“ in der schwedischen Übersetzung vor. Bisher hatte ich die Schweden eigentlich für recht gemschmackssicher gehalten…

Nach zweieinhalb Studen war’s mir dann jedenfalls zu viel auf der Messe und ich bin ein wenig durch die Stadt gestiefelt und habe dem Kunstmuseum noch einen Besuch abgestattet, bevor es abends dann wieder zurück nach Lund ging. Diesmal allerdings ohne weitere Zwischenfälle.

Am Freitag habe ich dann wie gewohnt E-Books in den Katalog aufgenommen und außerdem diese wunderbare Wochenchronik geschrieben 🙂

Etwas verspätet nun ein kurzer Wochenendbericht. Wie schon am Wochenende zuvor war ich wieder unterwegs. Am Samstag habe ich nochmal Kopenhagen einen Besuch abgestattet. Museen und Theater habe ich diesmal aber nicht besucht, sondern die Stadt einfach mal zu Fuß erkundet, was in einer Fahrradmetropole wie Kopenhagen fast schon ein bißchen „anti“ ist. Die meiste Zeit war ich im sogenannten „Szeneviertel“ Nørrebro unterwegs, wo es unglaublich viele Cafés, Plattenläden, Galerien, Trödelläden und (das ist jetzt das passende für mich) Fahrradläden gibt. Also nicht irgendwelche Fahrradläden, sondern richtig spannende, wo die abenteuerlichsten Konstruktionen feilgeboten werden. Da bin ich dann auch gleich mit einem Ladenbesitzer ins Fachsimpeln gekommen. Auffällig fand ich, dass viele Läden am Samstag geschlossen hatten. Kennt man ja aus Berlin gar nicht (mehr). Find ich aber gut! Da es dann angefangen hatte zu regnen, hab ich mich in ein Café verkrochen und erst mal Postkarten geschrieben. Ich musste schon etwas suchen, bis ich ein Café fand, dass nicht so prenzlberg-schickimickimäßig war… Ich muss schon sagen, dass in Nørrebro schon ein wenig Prenzlbergverhältnisse herrschen (Stichwort Gentrifizierung). Wer günstig wohnen will, verkrümelt sich glaub ich mittlerweile eher Richtung Haraldsgade. Dennoch ist Nørrebro schon sehr multikulturell und kreativ, lohnt sich also auf jeden Fall.

Mit dem Bus bin ich dann weiter nach Vesterbro gefahren, das ehemalige (und zum Teil immer noch) Arbeiter- und Rotlichtviertel, das sich nun auch zum Szeneviertel „mausert“. Hier ist es allerdings noch deutlich „rauher“, nicht so durchgestylt und aufpoliert. Hat mir gut gefallen. Mit einem Besuch in einem weiteren Café hab ich mir dann die Zeit bis zum Abend vertrieben, wo ich mich dann mit Erik getroffen habe, der am Wochenende auch öfters mal nach Kopenhagen fährt. Für diesen Samstag konnte ich ihn mal von seinen Studentenclubfreunden losreißen und wir haben zusammen ein bißchen die Kneipenlandschaft erkundet. Zum Glück fahren die Züge von Kopenhagen nach Lund die ganze Nacht durch…

Trotz einer recht kurzen Nacht habe ich mich dann am Sonntag trotzdem mit dem Zug auf in Richtung Karlskrona gemacht, eine kleine Stadt an der Südostküste Schwedens. Interessiert haben mich dort vor allem die Welterbestätten auf der Insel Stulmholmen, also die alten Handwerksmanufakturen und auch die Bastion Kungshall. Auf der Rückfahrt habe ich dann noch Station in Kristianstad gemacht, wo das sehenswerteste der wirklich schöne historische Stadtkern war. Leider war das Wetter nicht so toll, aber es war wirklich ein schöner Ausflug und ich konnte mich im Zug auch gut von den Strapazen des Vortages (ich meine das viele Laufen…) erholen.

In dieser Woche habe ich auf Arbeit wieder allerlei Neues gelernt. Ich muss an dieser Stelle wirklich mal sagen, wie freundlich und hilfsbereit die Mitarbeiter hier im Head Office sind. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass mir immer alles auf Englisch erklärt wird. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar. Und glücklicherweise sprechen hier wirklich alle nahezu perfekt Englisch. Ich spreche zwar mittlerweile auch ein paar Brocken Schwedisch (lesen kann ich es sogar ganz gut), aber es ist doch besser komplizierte Dinge auf Englisch erklärt zu bekommen.

Am Dienstag hat mir Marita einiges über ihren Aufgabenbereich „Communication“ erklärt. Darunter versteht man hier quasi das Marketing. Marita kümmert sich bspw. um die Gestaltung von Flyern und Broschüren sowie Giveaways. Nach dem Gespräch mit Marita ging es gleich weiter zu Kerstin, die mir mehr über den Web-Auftritt der Universitätsbibliothek erzählt hat, z.B. welches Content-Management-System sie benutzen und wie die Administration funktioniert.

Am Mittwoch war ich zu Gast bei Henrik, dem Bibliothekskoordinator. Er ist quasi dafür zuständig das Netzwerk der Universitätsbibliotheken zu koordinieren, was nicht ganz einfach zu sein scheint. Im Bibliotheksnetzwerk gibt es nämlich keinen wirklichen „Chef“, niemanden der am Ende quasi ein „Machtwort“ sprechen kann. So muss immer ein Konsens gefunden werden, damit Entscheidungen getroffen werden können. Bei 32 Bibliotheken und 32 verschiedenen Meinungen keine leichte Aufgabe. Daher gibt es eine (wirklich sehr große) Anzahl von Arbeitsgruppen, die sozusagen die Vorarbeit leisten. In diesen Arbeitsgruppen ist auch nahezu jeder Mitarbeiter irgendwie eingebunden, sodass hier jeden Tag ein Unmenge von Meetings stattfinden. Ich glaube das ist wirklich eine der Hauptbeschäftigungen hier. Daher strebt man auch eine „Reform“ dieses Systems an, wofür natürlich wieder Meetings ohne Ende notwendig sind… Also es ist schon spannend diese Umbruchphase und die dazugehörigen Diskussionen mitzuerleben.

Am Freitag hat mir dann Magnus noch die elektronischen Zeitschriften erklärt. Seine Hauptaufgabe besteht darin zu checken, ob die ganzen Verlinkungen auch wirklich funktionieren. Außerdem steht er mit den Verlagen in Kontakt und kümmert sich z.B. um die Bestellung von Zeitschriftenpaketen. Genau wie an der HU werden hier die meisten Zeitschriften auch in Packages bestellt, weil es billiger ist. Und auch hier bekommt man die elektronische Ausgabe quasi zur Printausgabe geschenkt dazu. Allerdings werden hier die Printausgaben meistens direkt „entsorgt“ und nicht eingearbeitet, weil es einfach zu aufwändig wäre. Interessant aber, dass die Verlage nicht nur in Deutschland diese Nummer abziehen…

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass diese Woche eine Praktikantin aus Warschau hier war. Sie hat das hier quasi alles im Schnelldurchlauf absolviert. Sie konnte auch ein bißchen Deutsch, aber ich fand es doof hier Deutsch zu sprechen. Also haben wir das dann gelassen und Englisch gesprochen. Als neutrale Sprache sozusagen.

Und ja, so ganz nebenbei hat die Universitätsbibliothek auch einen neuen Direktor bekommen. Allerdings nur stellvertretend, ich glaube für 2 Monate. Björn darf man natürlich auch duzen und sein Büro liegt direkt neben dem meinen. Es gab auch keine offzielle Einführung oder so, er hat sich einfach bei jedem kurz vorgestellt und dann wurde bei der Kaffeerunde etwas geplaudert. Da merkt man schon, wie flach die Hierachien hier sind. Er meinte auch, dass er eigentlich nicht vom Fach ist (er ist „normalerweise“ Ingenieur und Professor an der Uni) und im Prinzip hauptsächlich dafür da ist, den Informationsfluss zwischen den verschiedenen Stellen zu sichern und die Universitätsbibliothek nach außen zu repräsentieren. So ne Art Bundespräsident also 😉

Tja, und so sah die zweite Woche hier im Head Office der Universitätsbibliothek in Lund aus.